Häufige Fragen

Die häufigsten Fragen rund um das Projekt stark.lu stellen wir hier für Sie zusammen. Die Fragen sind nach Themenbereich unterteilt und werden laufend ergänzt. 

Allgemeines

  • Um was geht es?
    Im Projekt Steuerung von Aufgaben und Ressourcen auf kommunaler Ebene (stark.lu) geht es um die Einführung des Harmonisierten Rechnungslegungsmodells 2 (HRM2) bei den Luzerner Gemeinden. HRM2 ist eine Weiterentwicklung des heutigen Rechnungsmodells für die öffentlichen Gemeinwesen. Mit HRM2 wird die Rechnungslegung auf eine vermehrt betriebswirtschaftliche Sicht ausgerichtet, ohne die bewährten Elemente des bestehenden Modells aufzugeben.

    Weiter sollen das Ausgabenrecht und die Vorgaben zu den politischen sowie betrieblichen Steuerungsinstrumenten modernisiert werden.
    Die neuen Vorgaben sollen für das Rechnungsjahr 2019 zum ersten Mal gelten.
  • Warum ein neues Gesetz?

    Für die bessere Übersichtlichkeit, werden die Bestimmungen rund um den Finanzhaushalt in einem eigenen Gesetz zusammengefasst: Im Gesetz über den Finanzhaushalt der Gemeinden (FHGG). Die bisherigen Bestimmungen zum Finanzhaushalt der Gemeinden werden aus dem Gemeindegesetz gestrichen, das Gemeindegesetz wird dadurch schlanker und übersichtlicher.

    Nicht alle Paragraphen im FHGG sind neu, einige wurden 1:1 aus dem Gemeindesetz übernommen oder nur leicht angepasst.

  • Sind die Gemeinden an der Erarbeitung des Gesetzes beteiligt?

    Sowohl in der Projektsteuerung wie auch in allen vier Teilprojekten - Rechnungslegung, Planung und Berichterstattung, Kreditrecht, Qualitäts- und Risikomanagement - wirken Vertreter der Gemeinden mit. Sie wurden vom Verband Luzerner Gemeinden (VLG) nominiert.

Harmonisierte Rechnungslegung (HRM 2)

  • Warum wird von HRM1 auf HRM2 umgestellt?

    Das Harmonisierte Rechnungslegungsmodell 1 (HRM1) wurde in den 70er-Jahren von der Finanzdirektorenkonferenz (FDK) für Kantonen und Gemeinden entwickelt. HRM1 genügt den heutigen Anforderungen nicht mehr. Mit dem Harmonisierten Rechnungslegungsmodell 2 (HRM2) wird gesamtschweizerisch die Rechnungslegung für die Kantone und Gemeinden modernisiert. Die Vorgaben verfolgen das Ziel, die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage der öffentlichen Hand so abzubilden, dass sie den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen.
    Die Finanzdirektorenkonferenz empfiehlt den Kantonen und Gemeinden, HRM2 bis 2018 einzuführen.

  • Wird eine Harmonisierung zwischen dem Rechnungslegungsmodell des Kantons und den Gemeinden angestrebt?

    Bei der Erarbeitung der Richtlinien für die Umsetzung von HRM2 in den Gemeinden wird eine höchstmögliche Harmonisierung mit dem Kanton (Gesetz über die Steuerung der Finanzen und Leistungen, SRL Nr. 600) angestrebt. Teilweise gibt es jedoch Abweichungen. So haben die Regelungen im neuen Finanzhaushaltgesetz für Gemeinden den Eigenheiten der Luzerner Gemeinden Rechnung zu tragen. Sie sind vermehrt auf Miliztauglichkeit ausgerichtet und auf die verschiedenen Gemeindeformen und Gemeindegrössen skalierbar.

  • Wie wird die Harmonisierung unter den Kantonen sichergestellt?

    Der Bundesrat hat zusammen mit der Finanzdirektorenkonferenz das Schweizerische Rechnungslegungsgremium für den öffentlichen Sektor (SRS) eingesetzt. In diesem ist der Kanton Luzern ebenfalls vertreten. Das SRS soll die einheitliche, vergleichbare und transparente Rechnungslegung der öffentlichen Gemeinwesen der Schweiz fördern.

Neues Gesetz im Überblick

  • Welches sind die wichtigsten Neuerungen?
    • Eine Gemeinde soll in Zukunft hauptsächlich mit folgenden drei politischen Instrumenten geführt werden können: Legislaturprogramm mit Gemeindestrategie (langfristige Optik), einem darauf abgestimmten Aufgaben- und Finanzplan mit Budget (mittel- und kurzfristige Optik) und dem Jahresbericht. Gegenüber den bisherigen Bestimmungen ist dieses Führungssystem eine Vereinfachung. Die verbesserte Durchgängigkeit der Führungsinstrumente erleichtert den Bürgern und anderen Anspruchsgruppen das Verständnis.
    • Alle kommunalen Aufgaben werden mit politischen Leistungsaufträgen mit Globalbudgets geführt. Damit lassen sich Aufgaben und Finanzen sinnvoll verknüpfen, unabhängig davon, ob eine Aufgabe von der eigenen Verwaltung, von einer anderen Verwaltung oder Institution erfüllt wird.
    • Das Beteiligungs- und Beitragscontrolling besteht aus den Instrumenten Beteiligungsstrategie (Planung), Beteiligungsspiegel (Berichterstattung) und Leistungsvereinbarungen. Damit ist ein schlanker Controllingkreislauf sichergestellt, der der zunehmenden Bedeutung von Beteiligungen und Drittaufträgen Rechnung trägt.
    • Es erfolgt eine klare Trennung zwischen Ausgabenrecht und Finanzmittelplanung.
    • Die Rechnungslegung erhält modernere Begriffe, die in der Allgemeinheit besser verstanden werden, so wird zum Beispiel der Begriff Budget anstelle von Voranschlag oder Bilanz anstelle von Bestandesrechnung eingeführt.
    • Das Verwaltungs- und Finanzvermögen wird zu seinem tatsächlichen Wert bilanziert. Dazu wird es im Übergang auf HRM2 neu bewertet.
    • Die Jahresrechnung enthält neu eine Geldflussrechnung und damit mehr Informationen zur Liquidität einer Gemeinde. Auch der Anhang der Jahresrechnung wird mit dem Eigenkapitalnachweis gehaltvoller.
    • Der Kontorahmen der Erfolgs- und Investitionsrechnung wird an HRM2 und somit an die aktuellen Anforderungen angepasst.

Führungssystem und Steuerungsinstrumente

  • Was ändert sich bei den Führungsinstrumenten?
    Es ist keine revolutionäre Erneuerung vorgesehen: Die Einteilung der kommunalen Führungsinstrumente in einen Controllingkreislauf mit Planungs- und Berichterstattungsinstrumenten hat sich in der Vergangenheit bewährt. Auch die Unterteilung der Planungsinstrumente in unterschiedliche Zeithorizonte (lang-, mittel- und kurzfristig) hat sich durchgesetzt. Neu wird jedoch Durchgängigkeit der Instrumente verbessert und die Anzahl Dokumente reduziert. Für die Führung einer Gemeinde soll es in Zukunft folgende Instrumente geben: Legislaturprogramm mit Gemeindestrategie (langfristige Optik), einem darauf abgestimmten Aufgaben- und Finanzplan mit Budget (mittel- und kurzfristige Optik) und dem Jahresbericht. Die Abhängigkeiten eines Budgets von der Mehrjahresplanung, dem Legislaturprogramm mit Gemeindestrategie soll für den Bürger, die Exekutive und Verwaltung klar ersichtlich sein und damit das Verständnis erleichtern sowie die Steuerung verbessern.
  • Wie setzen sich die Aufgabenbereiche zusammen?

    In der Definition der Aufgabenbereiche ist die Gemeinde frei. Die Gliederung in Aufgabenbereiche kann der funktionalen Gliederung folgen, muss aber nicht. Ein Aufgabenbereich kann sich über mehrere funktionale Bereich erstrecken oder sich aus verschiedenen funktionalen Bereichen zusammensetzen.

    Für jeden Aufgabenbereich wird ein Leistungsauftrag erstellt. Das Globalbudget eines Aufgabenbereichs entspricht im Endeffekt dem "Preisschild" für diesen Leistungsauftrag. Wie fein eine Gemeinde die Aufgabenbereich gliedern will, bleibt ihr überlassen. Die Empfehlung geht bei einer kleinen Gemeinde von ca. 10 Aufgabenbereichen (entspricht 10 Leistungsaufträgen), bei einer mittleren Gemeinde von ca. 15 Aufgabenbereichen und bei einer grossen Gemeinde von ca. 25 Aufgabenbereichen aus.

  • Was ändert sich beim Budget?

    Es wird vielleicht kaum auffallen, aber als erstes ändert der Begriff: Neu heisst es Budget anstatt Voranschlag.

    In Zukunft soll das Budget pro Aufgabenbereich einen politischen Leistungsauftrag sowie je einen Budgetkredit in der Erfolgsrechnung und in der Investitionsrechnung enthalten. 

    -    Der Budgetkredit der Erfolgsrechnung ist neu als Saldo des Aufwandes und des Ertrags festgesetzt (Globalbudget). Aufwand und Ertrag werden separat ausgewiesen.
    -    Der Budgetkredit der Investitionsrechnung wird brutto beschlossen (Investitionsausgaben).

    Mittels Leistungsaufträgen und Globalbudget werden Aufgaben und die dazugehörigen Finanzen auf einfache Weise miteinander verknüpft. Egal ob eine Aufgabe in der eigenen Verwaltung, von einer anderen Verwaltung oder von einer anderen Institution erfüllt wird, das Führungsinstrument bleibt dasselbe. Ausserdem eignen sich Leistungsaufträgen mit Globalbudgets für alle bekannten Organisationsmodelle: Mit/ohne Parlament, traditionell, CEO-Modell, Geschäftsführermodell....

  • Um was geht es beim Beteiligungscontrolling?

    Gemeinden beteiligen sich immer häufiger an den Organisationen, an welche sie Aufgaben übertragen. Mit dem Beteiligungscontrolling sollen folgende Punkte sichergestellt werden:
    a)    die Wahrung der Eignerinteressen,
    b)    die Koordination zwischen Eigner- und Unternehmensinteressen,
    c)    die Umsetzung der Risikopolitik,
    d)    die Schaffung von Transparenz über die Beteiligungen,
    e)    die Standardisierung der Instrumente und Prozesse zur Steuerung der Organisationen mit kommunaler Beteiligung.

    Das Beteiligungscontrolling soll aus einem Planungsinstrument (der Beteiligungsstrategie) und einem Berichterstattungsinstrument (dem Beteiligungsspiegel) bestehen. In einem Handbuch sollen für diese Dokumente Mustervorlagen zur Verfügung gestellt werden. Die Beteiligungsstrategie soll alle vier Jahre erstellt und dem Parlament oder den Stimmberechtigten zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Der Beteiligungsspiegel liegt jährlich im Anhang zur Jahresrechnung bei. Die Ausgestaltung der Dokumente richtet sich nach der Bedeutung der Beteiligung und kann somit je nach Beteiligungsportfolio einer Gemeinden sehr schlank ausgestaltet werden.

Ausgaben- und Kreditrecht

  • Was ändert beim Ausgabenrecht?

    Das Ausgabenrecht wird für die Gemeinden einfacher und übersichtlicher geregelt. Insbesondere werden die Vorschriften zum Ausgabenrecht konsequent von der Finanzmittelplanung (Budget) getrennt. Entsprechend sind die Bestimmungen zum Sonder- und Zusatzkredit im Ausgabenrecht enthalten, wohingegen sich die Regelungen zum Budgetkredit und Nachtragskredit bei den Bestimmungen zum Budget als Teil der Steuerung finden.

  • Was braucht es, damit eine Ausgabe getätigt werden darf?

    Ausgangspunkt ist das Budget mit den von den Stimmberechtigten beschlossenen Budgetkrediten. Soll in einem Bereich eine Ausgabe getätigt werden, muss diese Ausgabe von der zuständigen Instanz bewilligt werden. Der Sonderkredit ist dabei die Ausgabenbewilligung durch die Stimmberechtigten. Wer (Stimmberechtigte, Gemeinderat, unterstellte Organisationseinheiten) welche Ausgabenkompetenz hat, kann die Gemeinde in ihrer Gemeindeordnung wie heute selber festlegen. Eine Ausgabe darf aber nur getätigt werden, wenn genügend Budget im entsprechenden Bereich vorhanden ist. Fehlt ein genügender Budgetkredit, so ist mit einem entsprechenden Nachtragskredit dieser einzuholen oder – wenn ein entsprechender Ausnahmefall gegeben ist – eine Budgetüberschreitung vom Gemeinderat zu bewilligen ( „bewilligte Kreditüberschreitung“).

  • Was sind die effektiv neuen Elemente im Ausgaben- und Kreditrecht?

    Es gibt effektiv nur zwei neue Elemente im Ausgaben- und Kreditrecht. Zum einen ist dies die Grundsatzregelung, dass es für das Tätigen einer Ausgabe jeweils eine Ausgabenbewilligung von der zuständigen Instanz benötigt. Rechtssystematisch ist dies darin begründet, dass die Budgetkredite als Globalbudgets beschlossen werden. Zum andern ist es die Kreditübertragung. Neu werden diese nicht mehr auf der Rechnungsebene als Rückstellungen getätigt, sondern auf der Budgetebene. Enthält ein Budgetkredit Mittel für ein Vorhaben, das z.B. aufgrund zeitlicher Verzögerung in dem Budgetjahr nicht abgeschlossen wurde, so können diese Mittel auf das nächste Budget übertragen werden.

    Kein neues Element ist die bewilligte Kreditüberschreitung. Diese entspricht der bisherigen „Ausnahme vom Nachtragskredit“ gemäss § 83 Abs. 2 GG, welche gerne auch als „Nachtragskredite in der Kompetenz des Gemeinderates“ bezeichnet werden.

Rechnungslegung

  • Was ändert sich bei der Bewertung des Verwaltungs- und Finanzvermögens?
    Das Verwaltungs- und Finanzvermögen wird zu seinem tatsächlichen Wert bilanziert. Das heisst, dass das Verwaltungsvermögen beim Erstzugang zum Anschaffungswert bilanziert und anschliessend gemäss der Nutzungsdauer abgeschrieben wird. Das Finanzvermögen wird beim Kauf ebenfalls zum Anschaffungswert bewertet und anschliessend zum Verkehrswert. Es werden also keine stillen Reserven mehr gebildet. Dies entspricht dem Prinzip von "true and fair view".
  • Um was geht es beim Restatement? Wann ist dieses nötig?
    Damit auch das bereits bilanzierte Verwaltungs- und Finanzvermögen nach den neuen Bewertungsvorschriften bewertet in den Büchern steht, muss ein Restatement vorgenommen werden. Neu zu bewerten sind die Anlagen des Finanzvermögens, da diese bisher nicht aufgewertet werden durften, neu aber zum Verkehrswert bewertet werden müssen. Bei den Sachanlagen des Verwaltungsvermögens wird auf den vorhandenen Werten der Anlagebuchhaltung gemäss KORE abgestellt. Die Umstellung der Rechnungslegung erfolgt auf das Rechnungsjahr 2019. Es ist jedoch wichtig, dass jederzeit ein Vorjahresvergleich gemacht werden kann unter denselben Bewertungsbedingungen. Deshalb sollen folgende Elemente sowohl nach altem wie auch nach neuem Recht dargestellt werden: -   Eröffnungsbilanz per 1. Januar 2018 (Restatement R1, zu erstellen bis spätestens 30. Juni 2018) -   Voranschlag 2018 (Restatement R1, zu erstellen bis spätestens 30. Juni 2018) -   Jahresrechnung 2018 (Restatement R2, zu erstellen bis spätestens 30. Juni 2019)
  • Sind Rückstellungen weiterhin möglich?

    Ja, sofern folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

    Definition und Abgrenzung
    Eine Rückstellung ist eine wesentliche Verbindlichkeit, für eine bereits eingegangene Verpflichtung, die bezüglich ihrer Fälligkeit oder ihrer Höhe ungewiss, ein Mittelabfluss aber wahrscheinlich ist und die Höhe der Verpflichtung zuverlässig geschätzt werden kann. Zur Abgrenzung zu den Eventualverpflichtungen (nicht zu bilanzieren) kann ein Schema verwendet werden (Link zum Schema). 

    Abgrenzung zu Eventualverpflichtungen:
    Eventualverbindlichkeiten stellen mögliche Verbindlichkeiten aus einem vergangenen Ereignis dar, wobei die Existenz der Verbindlichkeit erst durch ein zukünftiges Ereignis bestätigt werden muss.

    Abgrenzung zu Rechnungsabgrenzungen
    Im Gegensatz zu den passiven Rechnungsabgrenzungen weisen die Rückstellungen folgende Merkmale auf. Sie können kurz- und langfristig sein. Betrag und Fälligkeit (d.h. Zeitpunkt der Auszahlung) lassen sich nicht genau bestimmen.

    Abgrenzung zu Kreditübertragungen
    Kann ein Vorhaben innerhalb der Rechnungsperiode nicht wie geplant realisiert werden, können die im Voranschlagskredit dafür eingestellten, aber noch nicht beanspruchten Mittel mittels Kreditübertragung auf die neue Rechnung übertragen werden. Dies erfolgt nicht durch Bildung von Rückstellungen, da Rückstellungen eine bereits eingegangen Verbindlichkeit voraussetzen.

    Ferien und Überzeitguthaben
    Bei Ferien und Überzeitguthaben bestehen zwei Verbuchungsalternativen: Diese können entweder abgegrenzt oder als kurzfristige Rückstellungen verbucht werden, da sie Merkmale beider Varianten aufweisen. Bei unbestimmter Höhe und Fälligkeit ist eher die Bildung einer Rückstellung angezeigt. Es wird empfohlen, Ferien und Überzeitguthaben generell als kurzfristige Rückstellungen zu bilanzieren.

  • Wofür dient der Anhang der Jahresrechnung und wie setzt sich dieser zusammen?

    Im Anhang zur Jahresrechnung sind alle notwendigen Informationen offenzulegen, die nicht in den anderen Elementen der Jahresrechnung bereits enthalten sind. Der Anhang soll also die anderen Elemente der Jahresrechnung entlasten und bietet zudem die Möglichkeit, die quantitativen Informationen der anderen Elemente mit qualitativen zu ergänzen.
    Der Anhang zur Jahresrechnung gewinnt unter HRM2 an Bedeutung. Neu sind ein Eigenkapitalnachweis und ein Beteiligungsspiegel aufzuführen. Ergänzt wird der Anhang mit Angaben von Bedeutung für die Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie der finanziellen Risiken.

  • Was ist von der Geldflussrechnung zu erwarten?

    Die Geldflussrechnung zeigt die Ursachen einer Veränderung der Liquiditätssituation. Hierzu wird normalerweise der Fonds Geld verwendet, welcher aus der Kassa, Post- und Bankguthaben (Kontokorrente) sowie den geldnahen Mitteln (innerhalb von 3 Monaten verflüssigbar) besteht. Es wird je der Geldfluss aus betrieblicher Tätigkeit, aus Investitionstätigkeit und aus Finanzierungstätigkeit berechnet.

    Von besonderem Interesse ist jeweils die Frage, ob das Jahresergebnis und der Geldzufluss aus betrieblicher Tätigkeit ausreichen, um den Geldabfluss für die Investitionstätigkeit ins Verwaltungsvermögen zu finanzieren. Dabei handelt es sich um die gleiche Überlegung wie bei der Selbstfinanzierung: können die Investitionen mit selber erarbeiten Mitteln finanziert werden oder ist hierzu ein Mittelabfluss (Sicht Geldflussrechnung) bzw. eine Neuverschuldung (Sicht Finanzierungsrechnung) notwendig.

  • Was sind die finanzpolitischen Auswirkungen der neuen Rechnungslegung?

    Die Neubewertung des Finanzvermögens und die Aufwertung des Verwaltungsvermögens werden in den allermeisten Gemeinden zu höheren oder gar wesentlich höheren Vermögenswerten führen. Die stillen Reserven werden eliminiert. Beim Verwaltungsvermögen ist dies abhängig von den zusätzlichen Abschreibungen, die eine Gemeinde in den letzten Jahren vorgenommen hat. Die Wertveränderungen sollen zur Transparenz in der angepassten Bilanz separat dargestellt werden. Es sollen mindestens die Eigenkapitalkonti Neubewertungsreserve (für die Neubewertung des Finanzvermögens) und Aufwertungsreserve (für die Wertänderungen beim Verwaltungsvermögen und den übrigen Positionen) geführt werden. Zudem sind Wertänderungen auf Bilanzkonti, welche Fonds und Spezialfinanzierungen betreffen, den entsprechenden Fonds- und Spezialfinanzierungskonti (ggf. Unterkonti) zuzuweisen. Dies erfolgt unter der Voraussetzung, dass die Wertdifferenz (z.B. stille Reserven) früher auch zu Lasten des Fonds oder der Spezialfinanzierung entstanden ist.

    Das Konto Aufwertungsreserve wird durch jährliche Umbuchungen in das Eigenkapitalkonto "Bilanzüberschuss/ Bilanzfehlbetrag" entlastet. Der jährliche Betrag wird im Rechnungsjahr 2019 (Messpunkt: Jahresrechnung 2018 HRM1 versus HRM2) festgelegt entsprechend dem Umfang der Mehrabschreibungen aus der Aufwertung. Die Umbuchungen werden solange fortgeführt, bis auf dem Konto Aufwertungsreserve kein Restsaldo mehr vorhanden ist.

    Durch die jährliche Auflösung der Aufwertungsreserven soll vermieden werden, dass Druck auf die Verwendung des Eigenkapitals entsteht, zum Beispiel durch die Finanzierung einer Steuersenkung durch eine einmalige Umbuchung. 

Gemeindeordnung

Einführung: Termine und Schulungen

  • Wann findet der Wechsel von HRM1 auf HRM2 statt?

    Die Einführung der neuen Bestimmungen in den Gemeinden ist auf das Rechnungsjahr 2019 vorgesehen. Der Prozess beginnt jedoch bereits 2016 mit den Schulungen und dem Entwurf der angepassten Gemeindeordnung. 2018 muss das Budget 2019 bereits nach den neuen Vorgaben erstellt werden.
    Die Anpassung der Gemeindeordnung an die neuen Bestimmungen hat bis Ende 2017 zu erfolgen, so dass sie gleichzeitig mit dem neuen Finanzhaushaltgesetz in Kraft treten kann. Der VLG wird eine Mustervorlage für die Gemeindeordnung zur Verfügung stellen. Mit deren Hilfe bleiben den Gemeinden neun Monate Zeit für die Anpassungen.
    Weiter wird in den Jahren 2018 und 2019 das Restatement gemacht.

  • Wie gross ist der Arbeitsaufwand bei der Einführung?

    Es ist nicht einfach, den zusätzlichen Aufwand für eine Gemeinde pauschal zu beziffern. Er hängt stark von der Ausgangslage der einzelnen Gemeinden ab: Welches Wissen ist bei den Fachkräften in der Gemeinde bereits vorhanden? Mit welchen Instrumenten arbeitet die Gemeinde aktuell? Wie gross ist die Gemeinde und wie umfangreich und komplex sind ihre Finanzanlagen, Beteiligungen etc.? Diese und weitere Faktoren beeinflussen den Aufwand, den die neuen Vorgaben verursachen. Die Umstellung bedingt mit Sicherheit bei allen Gemeinden einen Initialaufwand.

  • Wie unterstützt der Kanton die Gemeinden?

    Zum neuen Finanzhaushaltgesetz wird ein umfassendes Handbuch mit Erläuterungen und Beispielen erarbeitet. Dieses wird kapitelweise in elektronischer Form zur Verfügung gestellt. Die Veröffentlichung der Handbuchkapitel erfolgt gestaffelt, so dass die Gemeinden immer über die notwendigen Unterlagen verfügen.

    In Ergänzung zum Handbuch wird es Schulungen geben. Die Schulungen dienen als Ergänzung zum Handbuch, ersetzen dieses aber nicht. Geplant ist, einen Teil der Schulungen mittels E-Learning anzubieten. So können die verschiedenen Zielgruppen zu einem für sie passenden Zeitpunkt die Themen erarbeiten. Einzelne Themengebiete werden an Präsenzschulungen vertieft. 

  • Wie können sich die Gemeinden auf die Umstellung vorbereiten?

    Für die Vorbereitungsarbeiten und für die Schulungen empfiehlt es sich, in den Übergangsjahren 2017 und 2018 personelle Ressourcen einzuplanen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema trägt mit Sicherheit zum besseren Verständnis bei.

    Verschiedene Beratungsunternehmen und Schulen bieten bereits Weiterbildungen zu HRM2 an. Diese Weiterbildungsangebote decken aber nicht den ganzen Bereich der Luzerner Vorlage stark.lu ab. Ein Besuch dieser Weiterbildungsangebote hilft jedoch bestimmt, das Verständnis für HRM2 zu erhöhen. Er ist aber nicht nötig, um die neuen Luzerner Vorgaben umsetzen zu können. 

Testgemeinden

  • Welche Aufgabe haben die Testgemeinden?

    Die Testgemeinden überprüfen die Umsetzung der neuen Vorgaben in der IT.

    Durch die Arbeit der Testgemeinden gewinnt das Projekt stark.lu Praxisbeispiele, welche als Inputs für die Musterunterlagen des Handbuchs sowie als Inputs für das E-Learning und die Präsenzschulungen dienen können.

  • Wie sieht der Zeitplan für die Testgemeinden aus?

    Die Testgemeinden starten ihre Arbeiten im 2. Quartal 2016.

    Die vorzeitige Einführung umfasst vom FHGG das Teilgebiet "Aufgaben- und Finanzplan (inkl. Budget) und Rechnungslegung" sowie die dazugehörenden Verordnungsbestimmungen. Für die Testgemeinden sollen die entsprechenden Bestimmungen des FHGG und der FHGV zum Aufgaben- und Finanzplan (inkl. Leistungsaufträgen mit Globalbudgets), zur Rechnungslegung und allenfalls damit zusammenhängende Regelungen aus dem Kreditrecht bereits für das  Rechnungsjahr 2018 gelten.