Mit Zug in die Zukunft – dank dem Durchgangsbahnhof Luzern

Aktuelles

21.07.2017 – Die SBB haben Pläne vorgelegt, wie sich ein Viertelstundentakt zwischen Luzern und Zürich ohne Durchgangsbahnhof realisieren liesse (vgl. LZ vom 2. Juli). Das Konzept «Input SBB» ist allerdings allein auf eine Optimierung des Fernverkehrsangebotes ausgerichtet, beinhaltet aber viele Unsicherheiten und weist massive Nachteile im Regionalverkehr auf:

Die Variante «Input SBB» bietet auf den ersten Blick Vorteile im Fernverkehr auf den beiden Hauptachsen Luzern-Sursee-Basel und Luzern-Zürich: Unsicher ist, ob im tatsächlichen Fahrplan effektiv eine stündliche Verbindung von Luzern ins Tessin angeboten würde, da aus Richtung Basel kein Anschluss mehr in den Süden bestünde. Fahrgäste aus der Nordwestschweiz müssten deshalb zwingend via Zürich reisen, womit sich eine Nachfrageverteilung zu Ungunsten von Luzern ergäbe. Als Folge davon dürfte dem Halbstundentakt ab Zürich der Vorzug gegeben werden.

Damit ist auch zweifelhaft, ob ab Luzern weiterhin Direktverbindungen nach Deutschland und Italien bestünden.

Im Regionalverkehr bietet der «Input SBB» im Abschnitt Luzern-Ebikon zwar eine vierte Verbindung und ermöglicht auf der Achse Sursee-Luzern-Zug teilweise bessere Anschlüsse ab dem Regional- auf den Fernverkehr. Jedoch überwiegen die Nachteile im Regionalverkehr: 

  • Massive Fahrzeitverlängerungen ins Seetal: Verlängerung Luzern-Hochdorf um 5 Minuten und Luzern-Hitzkirch um 10 Minuten. Dies führt zu einer Verlagerung auf die bereits überlastete Strasse.
  • Der RE Luzern-Olten entfällt, die Fahrzeiten von Reiden, Dagmarsellen, Nebikon und Wauwil nach Luzern verlängern sich.
  • Aus Luzern West besteht kein Anschluss nach Zürich.
  • Luzern verliert die etablierte Direktverbindung in den Raum Obersee und in die Ostschweiz (Voralpenexpress).
  • Auslassen von Halten zwischen Emmenbrücke und Sursee, Sursee und Zofingen, Luzern und Küssnacht am Rigi sowie zwischen Wolhusen und Langnau. Wegfallende Halte müssten durch Busleistungen ersetzt werden, was zu einer finanziellen Mehrbelastung für die Besteller führen wird. Ob es überhaupt sinnvolle Konzepte gibt, ist offen und müsste zuerst vertieft studiert werden.
  • Heutige Anschlüsse der Zentralbahn gehen teilweise verloren. Ob, wie und zu welchen Kosten das Angebot Luzern-lnterlaken/Engelberg angepasst werden kann, ist offen.

 Wird der Regionalverkehr als wichtiges Zubringersystem zum Fernverkehr geschwächt, kann auch der Fernverkehr nicht seinen vollen Nutzen entfalten. Der Kanton Luzern lehnt deshalb dieses auf eine einseitige Bevorzugung des Fernverkehrs zu Lasten des Regionalverkehrs ausgerichtete Konzept entschieden ab. Wegfallende Anschlüsse und Verbindungen sowie verlängerte Fahrzeiten gegenüber dem heutigen Angebot sind Nachteile, die von den Fahrgästen in keiner Weise verstanden und akzeptiert würden.

Damit wird klar: Einen Viertelstundentakt zwischen Luzern und Zürich, der mit Angebotsverbesserungen auch bei anderen nationalen und regionalen Bahnverbindungen vereinbar und darauf abgestimmt ist, gibt es nur mit Durchgangsbahnhof. Der Durchgangsbahnhof setzt ausserdem raumplanerische, volkswirtschaftliche und touristische Impulse. Und er bietet eine zukunftsfähige Lösung für den drittgrössten Bahnhof der Schweiz und dessen über 100-jährige Infrastruktur.


16.06.2017 – Der Ständerat hat ein Postulat von Konrad Graber (CVP Luzern) angenommen, in dem der Bundesrat ersucht wird, sich beim Step 2030/35 insbesondere an folgenden Eckwerten zu orientieren:

  • Der Step 2030/35 soll 12 Milliarden Franken betragen.
  • Bei der Prioritätensetzung sollen auch volkswirtschaftliche Aspekte mitberücksichtigt werden (Erschliessungsgrad, Engpassbeseitigung, Netzwirkung, Entwicklungspotenzial usw.).
  • Neben der Prioritätensetzung ist auch einer regionalpolitischen, grenzüberschreitenden, kantonalen Ausgewogenheit Rechnung zu tragen.
  • Projekte, die zwar aus Sicht einer nationalen Weiterentwicklung des Eisenbahnnetzes zweckmässig sind, aus finanziellen Gründen jedoch keinen Platz im Step 2030/35 finden, sollen mindestens zur Projektierung berücksichtigt und freigegeben werden.
  • Ausgewählte Projekte, die zwar aus Sicht einer nationalen Weiterentwicklung des Eisenbahnnetzes zweckmässig sind, aus finanziellen Gründen jedoch keinen Platz im Step 2030/35 finden, sollen gemäss Artikel 58c des Eisenbahngesetzes zur Vorfinanzierung freigegeben werden. Dies eröffnet auch eine gewisse Flexibilität mit Blick auf Artikel 58 Absatz 2 (Verzögerung von Projekten).

 


Warum braucht es den Durchgangsbahnhof Luzern?


Der Durchgangsbahnhof ist ein Schlüsselelement der schweizerischen Schienenmobilität
Der Durchgangsbahnhof verbessert die Mobilität sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene markant. Erst der Durchgangsbahnhof ermöglicht die im NEAT-Konzept vorgesehene Fahrzeit zwischen Luzern und Mailand: Das Tessin rückt dank Durchgangsbahnhof eine Viertelstunde näher an die Deutschschweiz, der Fahrzeitgewinn zwischen Deutschland–Basel und Mailand beträgt eine halbe Stunde. Die Nord-Süd-Verbindung via Luzern ist damit eine halbe Stunde schneller als via Zürich, was eine attraktive Alternative zur Verbindung über den stark frequentierten Hauptbahnhof Zürich schafft.

Der Durchgangsbahnhof verbessert den öffentlichen Verkehr im Kanton Luzern und in der Zentralschweiz
Die Strecke Luzern–Zug–Zürich ist die meistbefahrene Bahnlinie im Raum Luzern. Infrastruktur und Angebot gelangen zusehends an ihre Grenzen. Mit dem Durchgangsbahnhof verkehren zwischen Luzern und Zürich vier Fernverkehrszüge und vier S-Bahnen pro Stunde – heute sind es je zwei. Der Durchgangsbahnhof verkürzt zudem die Fahrzeit nach Zürich sowie nach Osten und Westen. Der Durchgangsbahnhof ermöglicht ausserdem mehr, schnellere und neue direkte Regionalverbindungen.

Der Durchgangsbahnhof setzt raumplanerische und wirtschaftliche Impulse
Mit dem Durchgangsbahnhof wird ein Teil der oberirdischen Gleisinfrastruktur frei. Es entsteht Raum für Wohnen, Arbeiten und belebte Zentren – und zwar entlang der strategischen Entwicklungsachsen des Kantons Luzern. Der Durchgangsbahnhof erhöht zudem die Standortattraktivität des Wirtschaftsraums Luzern.

Der Durchgangsbahnhof bietet eine zukunftsfähige Lösung für den drittgrössten Bahnhof der Schweiz
Der Durchgangsbahnhof, der einerseits die Kapazitäten ausbaut, andererseits die Reisezeiten verkürzt, antizipiert das künftige Mobilitätswachstum. Bis 2030 nimmt die ÖV-Mobilität im Kanton Luzern um 40 Prozent zu. Bereits in den vergangenen zehn Jahren ist die Schienenmobilität insbesondere auf den kantonalen Hauptentwicklungsachsen massiv gewachsen – um 50 bis 100 Prozent. Der Durchgangsbahnhof ist eine kluge Antwort auf die anstehenden Mobilitätsherausforderungen.


Was ist der Durchgangsbahnhof Luzern?

Der Durchgangsbahnhof verbindet die Hauptachsen Basel/Bern-Luzern und Luzern-Zürich und schafft eine neue Nord-Süd-Verbindung via Luzern.

Durchgangsbahnhof
Durchgangsbahnhof Luzern - Hauptstrecken

Wie viel kostet der Durchgangsbahnhof und wer bezahlt ihn?

Da der Durchgangsbahnhof in eine komplexe Topografie eingebettet ist, verursacht seine Realisierung vergleichsweise hohe Kosten von 2,4 Milliarden Franken. Angesichts des künftigen Mobilitätswachstums verbessert sich sein Kosten-Nutzen-Verhältnis jedoch kontinuierlich.

Die 2,4 Milliarden Franken werden aus dem Bahninfrastruktur-Fonds bezahlt. Dieser wird im Rahmen der Finanzierung und des Ausbaus der schweizerischen Bahninfrastruktur (FABI) von den Kantonen und vom Bund gemeinsam alimentiert. Für die Planung und Umsetzung des Bahnausbaus ist jedoch allein der Bund verantwortlich; die Kantone sind in diesen Prozess involviert. Die Bahninfrastruktur wird dabei schrittweise ausgebaut. Über die jeweiligen Ausbauschritte entscheiden National- und Ständerat alle vier bis acht Jahre.

Eine Vorfinanzierung des Bauprojekts durch den Kanton Luzern bzw. die Zentralschweizer Kantone soll die Chancen erhöhen, dass der Durchgangsbahnhof im nächsten Ausbauschritt (2030/35) berücksichtigt wird.


Sie machen sich stark für den Durchgangsbahnhof

Konrad Graber, Ständerat Luzern

«Der Durchgangsbahnhof Luzern ist ein Schlüsselelement der schweizerischen Bahnmobilität. Er reduziert die Fahrzeit zwischen Basel und Chiasso um eine halbe Stunde und gewährleistet damit die NEAT-Fahrzeiten auf der Nord-Süd-Achse.»
  

Konrad Graber, Ständerat Luzern, CVP  

«Der Durchgangsbahnhof Luzern entlastet das schweizerische Schienennetz und hilft auf der Nord-Süd-Achse den Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Das ist von nationalem Interesse.»

  

                                                                Prisca Birrer-Heimo,
Nationalrätin Luzern, SP 

Prisca Birrer-Heimo, Nationalrätin Luzern
Hans Wicki, Ständerat Nidwalden und Präsident Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz

«Mehr Züge, bessere Verbindungen und schnellere Fahrzeiten, sowohl in der Zentralschweiz als auch gesamtschweizerisch. Das gibt es nur mit dem Durchgangsbahnhof Luzern.»
 

Hans Wicki, Ständerat Nidwalden, FDP,
und Präsident Industrie- und
Handelskammer Zentralschweiz 

«Der Durchgangsbahnhof macht den drittgrössten Bahnhof der Schweiz zu einem Vollknoten. Alle Züge, die sich im Durchgangsbahnhof treffen, sind zeitlich aufeinander abgestimmt – wie im Bahn-2000-Konzept vorgesehen.»

  

                                                   

Karl Vogler, Nationalrat Obwalden, CSP-OW 

Nationalrat Karl Vogler
Ständerat Damian Müller

«Der geplante Durchgangsbahnhof ist ein existenziell wichtiges Projekt für die Mobilität in der Zentralschweiz.»

 

Damian Müller, Ständerat Luzern, FDP,
im Zentralplus-Blog zum Durchgangsbahnhof



Wo stehen wir? Wie geht es weiter?

Derzeit erarbeitet das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Vorlage zum Bahnausbauschritt 2030/35. Im Herbst 2017 geht die Vorlage in die Vernehmlassung. Ab Herbst 2018 wird der Ausbauschritt 2030/35 vom Bundesparlament beraten.

Da der Durchgangsbahnhof in eine komplexe Topografie eingebettet ist, verursacht seine Realisierung vergleichsweise hohe Kosten. Angesichts des künftigen Mobilitätswachstums im öffentlichen Verkehr (+ 40 Prozent bis 2030) fällt das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Durchgangsbahnhofs allerdings je länger, je besser aus. Hinzu kommt: Zusammen mit dem Zimmerberg-Basistunnel II verbessert sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Durchgangsbahnhofs zusätzlich. Die Zentralschweizer Bundesparlamentarier/innen und Kantonsregierungen stehen deshalb geeint hinter den beiden Ausbauprojekten. In einem gemeinsamen Postulat fordern sie vom Bund, dass

  1. die Planung des Durchgangsbahnhofs und des Zimmerberg-Basistunnels II unverzüglich aufgenommen wird (wie im genehmigten Ausbauschritt 2025 vorgesehen),

  2. der Durchgangsbahnhof und der Zimmerberg-Basistunnel II als zu realisierende Vorhaben in den Ausbauschritt 2030/35 aufgenommen werden,

    • dass für den Durchgangsbahnhof mindestens eine etappierte Umsetzung in Betracht gezogen wird,

    • dass aufgrund der Überlast die vollständige Finanzierung des Zimmerberg-Basistunnels II (Modul 2) vorgesehen wird,

  3. dass die Grundlagen für eine Vorfinanzierung der Projekte gemäss FABI-Botschaft geschaffen werden.

Auch in der Herbstsession 2016 haben sich die Luzerner National- und Ständeräte für den Durchgangsbahnhof starkgemacht und fünf Vorstösse zur Bahnentwicklung im Raum Luzern eingereicht:

Doris Leuthard

Die Regierung lud am 7. November 2016 zudem Bundesrätin und Verkehrsministerin Doris Leuthard nach Luzern ein, um sich mit ihr zum Durchgangsbahnhof auszutauschen.

(v.l.n.r. Ständerat Konrad Graber, Regierungsrat Robert Küng, Bundesrätin Doris Leuthard, Regierungsrat Reto Wyss)

Der Bund anerkennt den Durchgangsbahnhof als beste Lösung zur Weiterentwicklung des Bahnknotens bzw. Standorts Luzern. Sowohl Bundesrätin Doris Leuthard als auch BAV-Direktor Peter Füglistaler haben sich in den Medien denn auch entsprechend geäussert (vgl. Luzerner Zeitung vom 21. Oktober 2016 bzw. 27. Januar 2017).

Auf den Durchgangsbahnhof wird indes bereits heute hingearbeitet. Die aktuellen und mittelfristigen Angebotsausbauten sind allesamt kompatibel mit dem Durchgangsbahnhof. Eine Übersicht über die Ausbauschritte findet sich auf der Website des Verkehrsverbunds Luzern.