Flugplatz Emmen

In Kürze

Flpl Emmen

Sicherheit durch Luftverteidigung: Der militärische Flugbetrieb und qualifizierte Arbeitsplätze in Emmen bedingen sich gegenseitig.

Zur Aktualität:

  • Aufgrund der Schliessung des Flugplatzes Sion Ende 2017 erhöhen sich kurzfristig die Flugbewegungen in Emmen. Zwischen 2018 bis 2021 wird die maximal Anzahl von Jet-Flugbewegungen auf maximal 5000 pro Jahr beschränkt (2016: rund 3900 Flugbewegungen). Diese zusätzlichen Flugbewegungen betreffen ausschliesslich Tiger-Flüge
  • Der Kanton Luzern und die Gemeinde Emmen fordern, dass die Gesamtlärmbelastung langfristig nicht weiter zunimmt
  • Der Kanton Luzern und die Gemeinde Emmen setzen sich gemeinsam für den Erhalt und den Ausbau der Arbeitsplätze auf dem Flugplatz auf dem Waffenplatz und bei RUAG Aviation ein
  • Ohne Neubeschaffungen - Flugzeuge und Fliegerabwehr - hat die Armee bis 2025/2030 keine ausreichende Luftverteidigung mehr

Allgemein:

  • Zur Luftverteidigung gehören Luftwaffe und Fliegerabwehr  
  • Seit vielen Jahren steht der Kanton Luzern in einem engen Austausch mit dem VBS und vor allem mit der Luftwaffe

Zur Geschichte:

  • Der Flugplatz Emmen wird seit 1939 militärisch genutzt
  • Die Fliegerabwehr hat seit 1941 ihren Standort in der Kaserne Emmen (Waffenplatz)

 


Stellungnahme von Regierungsrat Paul Winiker, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartementes

Am 16. Februar 2017 wurden der Kanton Luzern sowie die Gemeinden im Perimeter des Flugplatzes Emmen über die künftige militärische Nutzung ab 2018 informiert.

Die Behörden von Kanton und Gemeinden wurden seitens des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) darüber orientiert, dass der Anteil der Jet-Flugbewegungen von aktuell rund 3900 ab 2018 bis voraussichtlich 2022 auf maximal 5000 Flugbewegungen erhöht wird. Weiter wurde bestätigt, dass die Pilotenschule PC-21 bereits ab 2017 mehrheitlich ab Emmen geführt wird. Dies wird zusätzlich zu rund 1500 Flugbewegungen bei den Propellermaschinen führen. Grund dafür ist die Schliessung  des Flugplatzes Sion per Ende 2017.

Dazu nimmt Regierungsrat Paul Winiker, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartementes (JSD), wie folgt Stellung:

 


Die Regierung hält nach wie vor fest an den Forderungen, die wir 2017 in der Vernehmlassung zum Sachplan Militär und auch schon 2014 in der Vernehmlassung zum Stationierungskonzept der Armee gegenüber dem VBS festgehalten haben:

  • keine Erhöhung der Gesamtlärmbelastung,

  • die Verlegung von Flugbewegungen von anderen Flugplätzen nach Emmen sind mit dem Ausbau der Anzahl Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu begleiten,

  • minimale Pistensperre von vier Wochen im Sommer, teilweise während den
    Sommerschulferien; zusätzlich mindestens zwei Wochen reduzierter Flugbetrieb und

  • Erhalt der bestehenden Flugbetriebszeiten; zurückhaltende Bewilligungen für Jet-
    Flüge ausserhalb dieser Zeiten.

Gemäss VBS soll in Emmen die Gesamtzahl aller Jet-Bewegungen (d.h. Starts und Landungen) auf 5‘000 pro Jahr plafoniert werden. Dies sind gegenüber 2016 rund 1‘100 Flugbewegungen mehr. Diese zusätzlichen Flugbewegungen betreffen ausschliesslich Flugzeuge vom Typ F-5E Tiger II.

Was dies in Bezug auf die Gesamtlärmbelastung für Emmen bedeutet, wird das Lärmgutachten nachweisen, welches die Luftwaffe noch 2017 erstellt.
Dass Emmen keine zusätzlichen F/A-18-Flüge übernehmen muss, ist positiv zu werten. Ebenfalls positiv ist, dass mit einem verbindlichen Betriebsreglement die Flugzeiten reguliert werden und es nicht zu mehr Nachtflügen kommt.

Wir werden diese neue Ausgangslage und das weitere Vorgehen zuerst mit den am meisten betroffenen Gemeinden besprechen. Weiter werden wir das in Aussicht gestellte Gutachten über die Lärmbelastung prüfen und – ebenfalls in Absprache mit den Gemeinden – unsere Forderungen an das VBS stellen.

2018 soll das Objektblatt (Sachplan Militär), das die künftige Nutzung des Flugplatzes definiert, dem Kanton und den Gemeinden zur Stellungnahme unterbreitet werden. Wir werden auch in diesem Zusammenhang alles unternehmen, um die Auswirkungen für die Bevölkerung im Grossraum Luzern möglichst gering zu halten. 

Zusammenfassend halte ich fest:

Der Flugplatz Emmen ist auch nach der Schliessung des Flugplatzes Sion gegenüber den beiden anderen Fluglätzen Payerne und Meiringen in einer privilegierten Position:

  • Wir haben jeweils im Juli vier Wochen Pistensperre

  • Wir haben keinen Flugbetrieb an Wochenenden

  • Wir haben keine Jet-Nachtflüge (Payerne und Meiringen haben einmal wöchentlich Starts in der Nacht)

  • Der Flugplatz Emmen hat ein Reglement, das die Flugzeiten regelt: MO-FR 08.00-12.00/13.30-17.00 Uhr (Bürozeiten)

  • Andere Nachtflüge mit Propellerflugzeugen oder Drohnen werden öffentlich angekündigt

Die Luftwaffen ordnet Flugpausen bei Beerdigungen in Emmen, Emmenbrücke und  Luzern-Reussbühl an – 2016 war dies 145-mal der Fall.

[Statement. Stand vom 6. September 2017]


Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs (NKF)

Zentral für die Zukunft des Flugplatzes und des Waffenplatzes Emmen, aber auch für die RUAG Aviation als Technologiestandort, ist die Frage, wie sich die Luftwaffe (oder besser die Luftverteidigung generell) weiter entwickelt. Im Zusammenhang mit der Beschaffung eines NKF stehen verschiedene Optionen im Raum, die in einem Expertenbericht (Seite 15 – 17) ausführlich skizziert werden.

  Option 1  Option 2  Option 3  Option 4 
Anzahl zu beschaffende Flugzeuge 55-70 40 30 20
Nutzung der F/A-18-Flotte ausser Dienst gestellt ausser Dienst gestellt ausser Dienst gestellt Nutzungsende hinausgezögert
Bodengestützte Luftverteidigung grössere und kleinere Reich­weite nur grössere Reichweite nur grössere Reichweite nur grössere Reichweite

Der Bundesrat wird voraussichtlich im Herbst 2017 weitere Detailabklärungen zu den Projekten NKF und Bodluv in Auftrag geben. Als realistische Szenarien werden die Optionen 2 und 3 angesehen. 

Zentral bei den vom Expertenbericht vorgeschlagenen Optionen ist die gesamtheitliche Betrachtungsweise der Luftverteidigung, die neben der Flottenstärke der Luftwaffe auch die künftige Ausgestaltung der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) miteinbezieht. Denn auch in diesem Bereich werden die heute eingesetzten Waffensysteme in naher Zukunft das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben.

Das Projekt Bodluv wurde nach einem einjährigen Projektstopp im Juli 2017 neu gestartet. Grundsätzlich ist RUAG Aviation nicht nur in einen allfälligen Lizenzbau des NKF involviert, sondern auch würde auch im Projekt Bodluv als Technologiepartner partizipieren.

Unabhängig von der Optionenwahl ­ist der Richtungsentscheid des Bundesrats für den Standort Emmen von grösster Bedeutung. Denn mit der Anzahl zu beschaffender Flugzeuge wird sich entscheiden:

  • Wie viele Flugbewegungen generell für die Luftwaffe jährlich noch notwendig sind (heute geht man bei 56 Flugzeugen von rund 22‘000 Flugbewegungen aus)
  • Bei welchen Flugplätzen sich ein wirtschaftlicher Betrieb noch lohnt, und

  • welche Auswirkungen ein Entscheid im Projekt Bodluv auf den Waffenplatz Emmen als Standort des Lehrverbands Fliegerabwehr hat.

Optimale Variante für Emmen

Beim heutigen Stand des Wissens wäre die (als realistisch einzuschätzende) Option 2 optimal für den wirtschaftlichen Betrieb und damit den Erhalt der Arbeitsplätze auf dem Flugplatz Emmen und bei RUAG Aviation.

Einerseits, weil die Anzahl der Flugbewegungen bei einer Flottenreduktion abnimmt, aber dennoch davon auszugehen ist, dass die Luftwaffe drei Flugplätze betreibt. Andererseits, weil die Neubeschaffung von Bodluv-Waffensystemen möglicherweise neue Impulse sowohl für den Waffenplatz Emmen wie auch für die RUAG Aviation geben kann.

 

 

PS Tiger

Aktuelle Fakten

Nutzung

Der Militärflugplatz Emmen leistet einen Beitrag für die Sicherstellung der Trainings- und Einsatzflüge und arbeitet deshalb mit verschiedensten Organisationseinheiten und Fliegerstaffeln zusammen. Zudem werden der Unterhalt und der Betrieb für folgende Systeme und Einheiten sichergestellt:

  • Kunstflugstaffel Patrouille Suisse (Homebase seit 1994);

  • Kommando Drohnen mit dem Aufklärungsdrohnensystem ADS-95;

  • Kommando Pilotenschule der Schweizer Armee mit den Schulungsflugzeugen PC-21 und PC-7;

  • Jet-Flugstaffeln für Trainings und Einsätze mit den Flugzeugtypen F-5 Tiger und F/A-18 Hornet;

  • für weitere Einsätze mit diversen Flächenflugzeugen und Helikoptern.

Im Austausch mit den anderen Militärflugplätzen übernimmt der Militärflugplatz Emmen auch die Aufgaben eines Ausweichflugplatzes für jegliche Flugzeugtypen der Schweizer Luftwaffe.

Link: offizielle VBS-Webseite

Flugbetriebsstatistik 2016 Militärflugplatz Emmen

 Militärische Flugbewegungen in Emmen Ist-Zahlen   Zahlen gemäss
Sachplan Militär 2001*
 
 Jet F/A-18 1'298  
 Jet Tiger 2'474  
 diverse Jets 172   
 Total Jet 3'944  12'000 
 Propeller 10'946  6'322 
 Helikopter 1'248  1'818 
 Drohnen 398   
 Total militärische Flugbewegungen 16'536  20'120 

Eine Flugbewegung entspricht einem Start respektive einer Landung eines Flugzeugs.
* derzeit gültig ist der Sachplan Militär aus dem Jahr 2001

Link: offizielle Flugbetriebsstatistik Emmen 2016

 

F/A-18, Wartung, RUAG Aviations

F/A-18 - Wartung durch RUAG Aviation, Emmen

Arbeitsplätze

Der Flugplatz sowie der Waffenplatz Emmen und die RUAG Aviation bieten eine Vielzahl von hochqualifizierten Arbeitsplätzen.
Gemäss neusten Zahlen des Bundes sind auf den drei Flugplätzen beschäftigt:

  • Emmen: rund 1775 (davon 1350 Mitarbeitende inkl. Ausbildungsplätze der RUAG Aviation, die in Emmen über ihren Hauptsitz verfügt)
  • Meiringen: rund 208 (nur Flugplatz)
  • Payerne: 608 (inklusive Mitarbeitenden der RUAG Aviation und Skyguide)

Siehe auch die Beantwortung einer Interpellation im Nationalrat. 


Entwicklung 2018 – 2022

Bei einer aktuellen Flottenstärke von 56 Flugzeugen – 30 F/A-18 Hornet und 26 F-5E Tiger II (inklusive Patrouille Suisse) – geht die Luftwaffe davon aus, dass der jährliche Bedarf bei rund 22‘000 Jet-Flugbewegungen liegt.

Davon werden geflogen:

Im Ausland  ~2'000 Jet-Bewegungen  
Flugplatz Payerne   11'000 Jet-Bewegungen
Flugplatz Meiringen  5'000 Jet-Bewegungen
Flugplatz Emmen  5'000 Jet-Bewegungen

Gemäss Aussagen des früheren VBS-Vorsteher Bundesrat Ueli Maurer sind 5‘000 Jet-Flugbewegungen notwendig, um einen Flugplatz betriebswirtschaftlich sinnvoll betreiben zu können. Diese Aussage wird aktuell auch von der Luftwaffe bestätigt.


Petition des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen (SFE)

Im August 2017 hat der Schutzverband eine Petition an den Bundesrat lanciert (Sammelschluss 15. September 2017). Darin fordert der SFE eine Begrenzung auf 3000 Jet-Flugbewegungen sowie eine Sommerflugpause von sechs (anstelle der heutigen vier) Wochen.

Regierungsrat Paul Winiker hat das Anliegen einer verlängerten Flugpause im Sommer bereits im Frühjahr 2017 in Gesprächen mit dem neuen Chef der Armee, Korpskommandant Philippe Rebord, sowie bei Treffen mit Bundesrat Guy Parmelin, dem Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), eingebracht. Die Haltung des Kantons Luzern ist dem Bundesrat und der Armeeleitung seit einiger Zeit bekannt.

Betreffend Anzahl von Flugbewegungen hält Regierungsrat Paul Winiker fest, dass nicht die Zahl der Flüge entscheidend ist, sondern die gesamte Fluglärmbelastung. Der Regierungsrat hält fest, dass er bereits 2014 und im Frühjahr 2017 in seinen Stellungnahmen gegenüber dem Bund gefordert hat, dass die Gesamtbelastung längerfristig nicht steigen soll.


Geschichte des Flugplatz Emmen

F+W Emmen, Morane, 40er-Jahre

Eidgenössisches Flugzeugwerk Emmen (F+W), Montagehalle - ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

 

Am 7. Juli 1939 landete erstmals ein Flugzeug auf der Piste im Emmer Haslifeld. Anstoss und vor allem die Finanzen zum Bau der beiden je 600 Meter langen Piste gab die Direktion für Militärflugplätze (DMP). Die ersten Impulse allerdings setzte der Luzerner Stadtrat bereits über zehn Jahre zuvor – Jürg Studer, Redaktor der Allgemeinen schweizerischen Militärzeitschrift (ASMZ) schrieb in der Ausgabe 06/2010:

Am 6.September 1924 beschloss der Stadtrat von Luzern, die Schaffung eines Zivilflugplatzes in die Luzerner Verkehrs- und Wirtschaftspolitik aufzunehmen. Das Eidgenössische Luftamt erstellte daraufhin 1926 ein Gutachten und regte an, anstelle eines Flugplatzes in der Stadt Luzern einen solchen in der näheren Umgebung zu bauen. Für dieses Projekt bot sich das Gebiet westlich der Strasse Emmen–Waldibrücke an.

Der ASMZ-Artikel beschreibt dann weiter, wie die Weltwirtschaftskrise das Projekt vorderhand auf Eis legte. 1934 präsentierte das Luftamt Vorschläge für einen sogenannten Zollflugplatz 1. Klasse auf dem Emmer Haslifeld – die Stadt Luzern fand keinen Gefallen daran und präsentierte einen Gegenvorschlag südlich von Inwil. Hier stemmte sich wiederum das Luftamt dagegen. Ein letztes (ziviles) Projekt für grosse Verkehrsflugzeuge scheiterte 1936 an den zu hohen Kosten von 3 Millionen Franken.

Die Armee sprang nun in die Bresche, weil die Flugplätze von Dübendorf, Payerne und Thun aufgrund des schnellen Wachstums der Flugwaffe total überlastet waren. Jürg Studer schreibt in seinem Artikel:

Mittels Wehranleihen brachte das EMD die erforderlichen Finanzen zusammen und konnte so der Gemeinde Emmen den Bau eines ständigen Militärflugplatzes inklusive einer Flugzeugfabrik vorschlagen. Im Februar 1937 sprach sich der Gemeinderat von Emmen einstimmig für den Bau eines Militärflugplatzes aus und ein Jahr später wurde an der Gemeindeversammlung vom Volk mit einem Ja-Anteil von 89% ein finanzieller Beitrag zum Bau desselben beschlossen.

Bereits 1940 kamen zwei weitere Flugzeughallen hinzu und kurz darauf folgte die Grundsteinlegung für die Flugzeugmontagehalle. Mit dem Entscheid des Bundesrates, die Flugzeugproduktion von Thun nach Emmen zu verlegen, kam das zweite wichtige Standbein nach Emmen: Die Flugzeugwerke Emmen (F+W), die später zur RUAG Aviation wurde und ihren Hauptsitz nah wie vor in Emmen hat.

In den Jahren 1940/41 wurde in Emmen auch die Flabkaserne errichtet. Und noch heute ist hier der Lehrverband 33 domiziliert, der sowohl die Ausbildung auf Lenkwaffensystemen (Stinger und Rapier) wie auch auf den bekannten Kanonen der mittleren Flab (35 mm) sicherstellt.   

Dieses Dossier wird fortlaufend aktualisiert.

Alle Bilder: © VBS/DDPS, sofern nicht anders bezeichnet