Hochschulen
Ausgangslage
Der Kanton Luzern und die Region Zentralschweiz haben mit der Gründung der Fachhochschule Zentralschweiz (heute Hochschule Luzern), der Universität Luzern und der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz in den Jahren 1998-2004 erfolgreich ein funktionierendes und attraktives Hochschulangebot aufgebaut. Die mehr als 8’500 Studierenden der drei Hochschulen auf Bachelor-, Master- und Doktoratsstufe (Stichtag 15. Oktober 2010) werden heute von 980 Dozierenden sowie von 137 weiteren Lehrbeauftragten unterrichtet, wobei sehr viele Lehrpersonen in Teilzeitpensen arbeiten. Hinzu kommen jährlich rund 8'800 Berufsleute, die eine Weiterbildung an einer der Luzerner Hochschulen absolvieren. Bis auf die von der Hochschule Luzern – Technik & Architektur angebotenen Fächer wird auf kostenintensive Fachgebiete wie Naturwissenschaften, Medizin, Agrarwissenschaften und Ähnliches sowie auf das quantitativ ausgerichtete Angebot der Sprachwissenschaften gezielt verzichtet. Dadurch bekennt sich Luzern zu einem bestimmten wissenschaftlichen Fächerspektrum und positioniert sich als Kanton und Region mit einem klar umrissenen Kompetenzprofil.
Herausforderungen
Trotz starken Wachstums der Luzerner Hochschulen zählen diese im gesamtschweizerischen Vergleich nicht zu den grossen Hochschulen. Vor allem die HSLU und die Universität sind im Vergleich mit den anderen Schweizer Hochschulen kleine Institutionen. Ob sich die Luzerner/Zentralschweizer Hochschulen trotz ihrer geringen Grösse auch in Zukunft werden behaupten können, wird davon abhängen, ob es ihnen gelingt, ihr Profil so zu schärfen, dass es für Studierende und Dozierende aus der ganzen Schweiz und in gewissen Massen auch aus dem Ausland attraktiver ist, in Luzern zu studieren als in Zürich, Bern oder an einer der anderen grösseren Schweizer Hochschulen. Dabei müssen die überschaubare Grösse und das ausgesuchte Angebot der Luzerner Hochschulen als ein Mehrwert positioniert werden. Ein moderater Ausbau des Fächerangebots, akzentuierte Forschung, gute Betreuung, inhaltliche Fokussierung und innovative Lehrformen und Inhalte werden ausschlaggebend für den Erfolg sein, und müssen auch bei begrenzten Mitteln Priorität haben. Eine wichtige Grundlage für diesen Erfolg bildet eine attraktive und funktionale Infrastruktur, deren Bereitstellung für alle Hochschulen eine wichtige kantonale Aufgabe für die nahe Zukunft ist. Ein erster erfolgreicher Schritt in diese Richtung ist der Bezug des umgebauten Postbetriebsgebäudes am Bahnhof Luzern durch die Universität und die PHZ im Sommer 2011.
Ein Planungsbericht über die Hochschulentwicklung im Kanton Luzern soll die zukünftige Entwicklung der Luzerner Hochschulen darstellen und damit aufzeigen, welche Strategie der Kanton in der tertiären Bildung verfolgt. Er soll voraussichtlich im Herbst 2011 durch die Regierung zuhanden des Kantonsrats verabschiedet werden.
Entwicklungsziele
- Der Hochschulplatz Luzern-Zentralschweiz entwickelt sich
Ein vielfältiger und dynamischer Hochschulplatz erhöht die Attraktivität Luzerns als Wirtschafts- und Wohnkanton. Davon profitiert auch die gesamte Region Zentralschweiz. Die strategische Entwicklung dieses Hochschulplatzes Luzern-Zentralschweiz wird im Sinne eines optimalen Ressourceneinsatzes im Bereich der Trägerschaft, der administrativen und finanziellen Strukturen weiter getrieben. Eine strategische Infrastrukturplanung soll die Basis für die weitere Entwicklung schaffen.
- Die Universität Luzern erfindet eine Nische im europäischen Wissenschaftsraum
Mit dem Ausbau der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät wird das Profil der Universität Luzern im Kompetenzfeld Gesellschaft, Kultur und Staat weiter ausgestaltet. Damit besetzt die Universität Luzern eine europaweit einzigartige Nische. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät hält ihren Ruf als innovative Fakultät mit sehr gutem Betreuungskonzept. Die Theologische Fakultät positioniert sich in einem schwierigen Umfeld von konkurrierenden Fakultäten an anderen Universitäten mit einem klaren Konzept, das auch eine Senkung der Kosten beinhaltet. Die notwendige Infrastruktur für die Universität wird mit dem Bezug des UNI/PHZ-Gebäudes im Sommer 2011 realisiert.
- Die Hochschule Luzern akzentuiert ihre Stärken und reformiert ihre Strukturen
Die Hochschule Luzern ist mit ihren Studiengängen nahe bei der regionalen Wirtschaft und hält ihren hohen Anteil an Berufsmaturi unter den Studierenden, insbesondere in den Fächern Technik, Architektur und Wirtschaft. Sie setzt mit ausgewählten Masterprogrammen Schwerpunkte, mit denen sie auch national und international ausstrahlt. Eine besondere Stärke sind ihre Weiterbildungsangebote. Die Trägerschaftsstruktur sowie die Rechts- und Finanzierungsgrundlagen werden mit den geplanten neuen Rechtsgrundlagen für das Konkordat vereinfacht, die internen Strukturen der Hochschule gestrafft.
- Die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz optimiert ihre Strukturen
Die PHZ gehört national zu den profilierten Ausbildungsstätten der Lehrpersonenbildung. Mit dem Austritt des Kantons Luzern aus dem PHZ-Konkordat und der Überführung der PHZ Luzern in die kantonale Trägerschaft per 31. Juli 2013 werden ihre Träger- und Führungsstruktur den Bedürfnissen eines effizienten Hochschulbetriebs angepasst. Die notwendige Infrastruktur wird im neuen UNI/PHZ-Gebäude und an ausgewählten weiteren Standorten realisiert.
- Das Luzerner Angebot an wissenschaftlichen Medien und Information wird optimiert
Die Zentral- und Hochschulbibliothek realisiert mit dem Teilumzug in das UNI/PHZ-Gebäude, der Sanierung und Erweiterung ihres bestehenden Gebäudes (aufgrund der kantonalen Sparmassnahmen für die Jahre 2011-2015 um zwei Jahre auf 2013-2016 verschoben) sowie der geplanten kooperativen Speicherbibliothek ein neues Dienstleistungskonzept. Das Gesamtkonzept des Informationsverbundes Luzern wird weiter ausgebaut und angepasst. Die bibliothekarischen Standorte werden konzentriert.
Nächste Schritte
Entwicklungsziel 1 (Der Hochschulplatz Luzern-Zentralschweiz behauptet sich)
Entwicklung und Strukturierung der Hochschulbildungsangebote
Ausbau der hochschulübergreifenden Angebote
Verstärkte Kooperation bei Infrastruktur- und administrativen Projekten (IT, Sport, Krippe etc.)
Erarbeitung eines Masterplans für die Infrastruktur der Hochschulen; verstärkte Nutzung von Synergien
Entwicklungsziel 2 (Die Universität Luzern erfindet eine Nische im europäischen Wissenschaftsraum)
Universitätsstrategie 2012 – 2020:
Konsolidierung und Verstärkung der bestehenden Fakultäten und Fächerangebote
Anstrebung eines moderaten Wachstums über einen massvollen Fächerausbau
Bezug des neuen UNI/PHZ-Gebäudes
Verstärkung der Forschungsaktivitäten
Stärkung der Master- und Doktorandenstufe
Schaffung eines Seminars für Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik in Zusammenarbeit mit der Schweizer Paraplegiker-Forschung
Entwicklungsziel 3 (Die Hochschule Luzern akzentuiert ihre Stärken)
Neue Rechtsgrundlagen FHZ-Konkordat (vorauss. 2012)
Neubau HSLU-M (2011ff)
Masterplan Campus Horw und Bahnhof Luzern (2012ff)
Verstärkung der Auftragsforschung
Sicherung der notwendigen Nähe zur wissenschaftlichen Entwicklung
Bedarfsgerechte Weiterentwicklung der auf die Bedürfnisse der Region abgestimmten Angebote
Abdeckung des Bedarfs an Fachkräften für die Region Zentralschweiz in allen Fachbereichen der HSLU
Stärkung der fachbereichsübergreifenden Zusammenarbeit durch interdisziplinäre Schwerpunkte
Entwicklungsziel 4 (Die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz optimiert ihre Struktur)
Übertritt der PH Luzern in kantonale Trägerschaft und neue Rechtsgrundlage (2013)
Teilbezug des neuen UNI/PHZ-Gebäudes im Sommer 2011
Entwicklungsziel 5 (Das Luzerner Angebot an wissenschaftlichen Medien und Information wird optimiert)
ZHB: Sanierung und Erweiterung des bestehenden Gebäudes an der Sempacherstrasse (2013-2016), Bibliotheksbereich im neuen UNI/PHZ-Gebäude (2011)
Neubau Aussenlager als kooperative Speicherbibliothek (2016)
Gesetzliche Grundlagen
National
- Bundesgesetz über die Fachhochschulen (SR 414.71)
- Universitätsförderungsgesetz (414.20)
Interkantonal
- Interkantonale Fachhochschulvereinbarung (FHV) ab 2005 (SRL Nr. 535)
- Interkantonale Universitätsvereinbarung (SRL Nr. 543a)
- Interkantonales Konkordat über universitäre Koordination (SRL Nr. 543b)
Kantonal
- Gesetz über die universitäre Hochschulbildung (Universitätsgesetz; SRL Nr. 539)
- Diverse Vollzugserlasse des Universitätsrates und des Regierungsrates
- Konkordat über die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz (PHZ-Konkordat; SRL Nr. 515. Kündigung per 31. Juli 2013)
- Gesetz über die Hochschule des Kantons Luzern in der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (SRL Nr. 519)
- Diverse Vollzugserlasse des Konkordatsrates PHZ und des Regierungsrates
- Zentralschweizer Fachhochschul-Konkordat (FHZ-Konkordat; SRL Nr. 520)
- Gesetz über die Hochschulen des Kantons Luzern in der Fachhochschule Zentralschweiz (SRL Nr. 520a)
- Diverse Vollzugserlasse des Fachhochschulrates und des Regierungsrates
- Bibliotheksgesetz und Verordnung über das Bibliotheksangebot (SRL Nr. 420 und 421)
Politische Vorgaben
National
- Reglemente und Beschlüsse von SUK und EDK
Regional
- Beschlüsse der Konkordatsräte PHZ (bis 2013) und FHZ
Kantonal
- Legislaturprogramm 2007-2011
- Beschlüsse des Universitätsrates
- Entlastungspaket 2011
Vorstösse (Legislatur: 2007-2011)
- Postulat Schmassmann (P 215) über die Förderung der Synergien zwischen der Universität Luzern, weiteren Luzerner Hochschulen und der Schweizer Paraplegiker-Forschung
- Postulat Schmid (P 631) über Alternativen zu Konkordaten
- Motion Gernet (M 415) über ein Zentrum für Wirtschaft, Religion/Ethik, Wissenschaft und Politik
- Motion Gmür-Schönenberger (M 525) über einen Planungsbericht zur Hochschulstrategie
- Motion Bühler (M 604) und Motion Winiker (M 727) über die Erhöhung der Studiengebühren für ausländische Studierende
- Anfrage Tüfer (A 856) über die Expansion der Universität
- Postulat Greter (P 874) über nachhaltiges Bauen beim Neubau der Hochschule Luzern - Musik