Gymnasien
Ausgangslage
Im Kanton Luzern gibt es acht öffentliche Kantonsschulen und ein privates Gymnasium. Die öffentlichen Schulen führen insgesamt 6 Langzeitgymnasien, 6 Kurzzeitgymnasien und eine Maturitäts-schule für Erwachsene mit rund 6000 Lernenden und 700 Lehrpersonen. Die private Schule St. Klemens in Ebikon führt seit dem Schuljahr 2006/07 auf der Grundlage einer Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Luzern ein Kurzzeitgymnasium mit zwei Klassenzügen. Die Gymnasien sind von unterschiedlicher Grösse, verschiedenartigem Profil und machen zum Teil spezielle Angebote. Zu den letzteren gehören z. B. die zweisprachige Maturität an der KS Alpenquai Luzern oder das Gymnasium Plus an der KS Schüpfheim, ein fünfjähriges Kurzzeitgymnasium zur Förderung besonderer Begabungen im sportlichen oder musischen Bereich.
Das Bildungs- und Kulturdepartement geht für die kommenden Jahre von der heutigen Zahl und den heutigen Standorten der Gymnasien aus und versteht Kurzzeit- und Langzeitgymnasien als gleichwertige Regelwege. Die gymnasiale Maturitätsquote im Kanton Luzern ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und hat mittlerweile den schweizerischen Durchschnitt erreicht. Im Rahmen der Tertiarisierung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung wurden die Seminare in Kurzzeitgymnasien umgewandelt, was zum Anstieg der gymnasialen Maturitätsquote beigetragen hat. Die Schülerzahl wird im Bereich der Sekundarstufe II ab 2011/12 stagnieren bzw. leicht rückläufig sein.
Die Zahl der beruflichen Funktionen, die sich auf eine vertiefte Grundausbildung stützen, wie sie heute Gymnasien, Fach- und Berufsmittelschulen vermitteln, nimmt weiterhin zu.
Herausforderungen
Die Herausforderung für die Gymnasien besteht darin, wichtige bevorstehende Entwicklungen rechtzeitig aufzunehmen und vorzubereiten. In den kommenden Jahren wird die Veränderung der Bildungslandschaft auf allen Stufen (Volksschule – Sekundarstufe II – Hochschulen) und die Positionierung der Gymnasien von entscheidender Bedeutung sein. Weiter gilt es sicherzustellen, dass die gymnasiale Maturität auch in Zukunft zum Studium an allen universitären Hochschulen berechtigt.
Die Gymnasien werden ihr Profil weiter entwickeln und sich als attraktive Vollzeitschulen auf der Sekundarstufe I und II positionieren:
- Durch die Vielfalt ihrer Bildungsangebote: Die Gymnasien gewichten ihre Angebote in den Sprach-, Natur- und Gesellschaftswissenschaften gleichwertig.
- Durch die besondere Art der Wissensvermittlung: Der zeitliche Rahmen der Gymnasien erlaubt unterschiedliche Lernformen im Sinn von exemplarischem Lernen, von Teamarbeit, von Selbstlernen in einem gut ausgerüsteten Umfeld.
- Durch ein intensives Training in Reflexionswissen: Lernen am Gymnasium heisst, Fragen nach der Bedeutung der Dinge zu stellen und eine Kultur des Fragens und Ergründens zu entwickeln. Reflexionswissen führt zu eigenständigen Haltungen, zu geklärten Einstellungen und begründbaren Standpunkten.
- Durch ganzheitliche Bildung: Im Gymnasium wird der ganze Mensch gefordert. Die Bildung der Sinne erfolgt insbesondere durch die intensive Auseinandersetzung mit Musik, Sport und Bildender Kunst. In der Förderung der Kreativität und in der Bildung der Sinne wird die Vielseitigkeit und Flexibilität der Jugendlichen besonders gestärkt und damit ihre Zukunftsfähigkeit erhöht.
Entwicklungsziele
- Die Gymnasien profilieren sich und fördern die Entwicklung innovativer Unterrichtsformen
Unter dem Label "Potenzial Gymnasium" entwickeln die Gymnasien Projekte zur Weiterentwicklung des Unterrichts. Hauptmerkmale dieses Unterrichts sind Lernarrangements, welche die Gymnasien als ihre spezifischen Stärken verstehen: Vielfalt und Ganzheitlichkeit der Bildung, effiziente Gestaltung der Lernprozesse und Anspruch auf hohe Qualität des Unterrichts. Herausragende Projekte werden ausgezeichnet und in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.
- Die Gymnasien konsolidieren ihr Qualitätsmanagement und bauen es aus
Das Qualitätssicherungs- und -entwicklungssystem an den Gymnasien wird weiter geführt und ausgebaut. In den kommenden Jahren legen die Gymnasien das Schwergewicht auf externe Evaluation und Benchmarking. Sie arbeiten dabei eng mit den Partnerkantonen zusammen.
- Die Gymnasien schöpfen das Begabungspotenzial im Kanton Luzern optimal aus
Die Jugendlichen und ihre Eltern erhalten bei den Übertritten differenzierte Informationen und treffen so eine adäquate Schulwahl. Mit einem dezentralen Angebot sind die Gymnasien erreichbar.
Nächste Schritte
Entwicklungsziel 1 (Die Gymnasien profilieren sich und fördern die Entwicklung innovativer Unterrichtsformen)
- Das kantonale Projekt „Potenzial Gymnasium“ wird weitergeführt.
- Die nächste Prämierung im Rahmen von "Potenzial Gymnasium" findet im Februar 2012 statt.
- Die Gymnasien sind an der Bildungsmesse Zebi 2011 mit einem neuen Auftritt präsent.
Entwicklungsziel 2 (Die Gymnasien konsolidieren ihr Qualitätsmanagement und bauen es aus)
- Der zweite Zyklus im Rahmen der externen Evaluation startet im Schuljahr 2012/13. In jedem Schuljahr werden der Reihe nach zwei Gymnasien evaluiert.
- Im Herbst 2012 findet die nächste Absolventinnen- und Absolventenbefragung im Rahmen des interkantonalen Benchmarking statt. Die Schulen analysieren die Ergebnisse und leiten nach Bedarf Entwicklungsmassnahmen ein .
Entwicklungsziel 3 (Die Gymnasien schöpfen das Begabungspotenzial im Kanton Luzern optimal aus
- Mit der Neuauflage der Broschüre "Gymnasien Kanton Luzern" werden die Jugendlichen und ihre Eltern gezielt angesprochen und über die bestehenden Angebote informiert.
Gesetzliche Grundlagen
Kantonal
- Gesetz über die Gymnasialbildung (SRL Nr. 501)
- Verordnung zum Gesetz über die Gymnasialbildung (SRL Nr. 502)
Eidgenössisch
- Verordnung (des Bundesrates) über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (Maturitäts-Anerkennungsverordnung, MAV, SR 413.11); Reglement der EDK über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (MAR)
- Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen
Politische Vorgaben
- RRB vom 27. November 2009; Bericht zum Gymnasialangebot
- RRB vom 26. Oktober 2004; Ergebnisse der Überprüfung des Gymnasialangebots, Kenntnisnahme des RR und Beschlüsse zum weiteren Vorgehen. Es werden weiterhin sowohl Langzeit- als auch Kurzzeitgymnasien angeboten. Schaffung günstiger Voraussetzungen für den Übertritt ins Kurzzeitgymnasium nach der 2. Sekundarklasse, Koordination der Lehrpläne, der Lehrziele und der Lehrmittel, Folgen der Einführung von Niveau A evaluieren.
- RRB vom 18. November 2003, Überprüfung des Gymnasialangebots im Kanton Luzern: Sollen im Kanton Luzern nur noch oder vorwiegend Kurzzeitgymnasien angeboten werden?